Schleife

Der Tag bricht an. Ich rüste mich. Sicherheitshalber gleich mehrere übereinander liegende Schichten. Ich fülle mich an mit Apathie, ich stopfe mich voll mit Gleichmut, ich schlüpfe gleichzeitig in die Rolle aller drei weisen Affen

und zwänge mich so mit dickem Fell keuchend und schwerfällig durch das Zeitfenster, solange es noch offen steht.

Widerwillig besteige ich die kleine Kapsel, wohl wissend, dass ich am Ende der Fahrt wieder am selben Ort zur selben Zeit herauskomme. Ich frage mich schon längst nicht mehr, wie viele Runden ich noch drehen muss, bis das Ding endlich auseinander fällt, der TÜV abläuft oder ich notlanden darf. Ich erblicke den Hebel des Schleudersitzes unter dem Schild mit der Aufschrift nur im äußersten Notfall betätigen!, denke mir was soll´s, schließe die Augen und ziehe am rosafarbenen (echt jetzt? Rosa?) Griff.

Nichts passiert. Es öffnet sich keine Klappe, ich werde nicht in die Luft geschleudert und ich lande auch nicht -wie von mir eigentlich geplant- auf einer Wolke mit der Primzahl 7.

Mit offenem Mund, sprach- und fassungslos vor Wut, Entsetzen und Ungläubigkeit starre ich auf den abgebrochenen Hebel in meiner rechten Hand. Also gut. Verzweifelt und vergeblich krame ich in meinem Gedächtnis nach einer Lösung aber letztendlich muss ich die mir auferlegte Ausweglosigkeit neidlos anerkennen. Ich beglückwünsche das Schicksal für seinen Einfallsreichtum und applaudiere ihm imaginär. Danach wird mir schwarz vor Augen. Scheint so, als würde ich heute einmal verschont bleiben.

Als ich wieder zu mir komme, bricht der nächste Tag an.

 

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