JA und NEIN

JA, zerrt an mir, krallt euch fest im weichen Fleisch, sucht euch einen festen Stand und dehnt mich, zieht mich auseinander, bis ich in feuchtwarme Stücke zerrissen bin

JA, nehmt mir die Haftung, stellt euch hinter mir auf, verringert die Reibung und entzieht mir den Boden unter meinen Füßen, bis ich rutsche und ins Straucheln komme

JA, durchdringt mich mit dem Gefühl des Zweifels und der vollkommenen Entbehrlichkeit, bildet einen Reigen und fixiert mich mit kaltem, starren Blick, während ich im Inneren eures Kreises die Orientierung verliere

JA, stellt mich auf den Kopf, umfasst meine Fesseln mit festem Griff, platziert euch am Abgrund und lasst mich endlich los

NEIN, hört auf die Zeit zu dehnen, den Raum zu weiten, euch zu kleiden im Gewand der Zuversicht und Hoffnung, lasst die Masken fallen und gebt euch zu erkennen

NEIN, geht nicht einfach fort und kommt wieder, wann es euch passt, lasst mich nicht unentwegt allein in meiner Zelle die schweren Schritte auf dem Gang erwarten

NEIN, beendet das Zögern, haltet Konferenzen ab und einigt euch, stempelt den Erlass und verkündet das Urteil

NEIN, lasst mich nicht mehr selbst entscheiden, ich bin müde und erschöpft von diesem hoffnungslosen Ringen um Zuneigung, Anerkennung und Liebe…

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