Ich habe endlich eine Audienz beim Fürsten der Finsternis, beim Seelenkäufer, beim Teufel persönlich bekommen.
Noch stehe ich im Vorzimmer zur Hölle und werde von des Satans Sekretärin misstrauisch beäugt. Ich versuche die angespannte Situation zu lockern, indem ich anmerke: „Ganz schön heiß heute, nicht wahr?“ Sie hebt aber nur eine Braue und gibt mir so stumm zu verstehen, was sie von mir hält. Moment mal denke ich. Ich bin doch hier der Kunde. Und der Kunde ist König. Jedenfalls in meiner Welt. Hier wohl eher nicht. Da ich etwas zu früh dran bin, werde ich von einem buckligen Schergen in ein geschmackvoll eingerichtetes Wartezimmer geleitet. Ein Grunzen oder eine Art Schnauben von ihm soll mir wohl bedeuten, dass ich mich gefälligst setzen und die Fresse halten soll. Ich werfe einen Blick auf seine in einer Schlaufe hängende Peitsche und denke mir, dass dieses Instrument wohl kaum zum Liebesspiel gedacht sein soll.
Also füge ich mich brav, harre der Dinge und betrachte die unzähligen Bilder oder vielmehr die Gemälde an den Wänden. Es scheinen alles Originale zu sein. Hier hängen Van Goghs neben Cézannes und Renoirs. Ich erkenne auch einen Dürer und einen Botticelli. Teufel auch, hier scheint ein lukratives Geschäft am Laufen zu sein.
Von fern höre ich Peitschengeknalle. Hat da einer seine Zeche beim Herrn der Unterwelt nicht bezahlt? Egal, ich bin jedenfalls gerüstet. Ich habe meine Sparkassencard für alle Fälle dabei. Der Knecht kehrt zurück. Ich höre das Schlurfen schon von weitem. Wieder ein Schnaufen. Ich soll ihm wohl folgen.
Wir gehen durch einen langen Korridor, dessen Wände mit rotem Samt verkleidet sind. Jetzt übertreibt Luzi es aber etwas. Nachdem wir durch eine mit Blattgold versehene Doppeltür geschritten sind, gebietet mir der Häscher des Antichristen grob Einhalt, indem er mich brutal gegen eine Wand drückt und mir mit seinem schnaufendem Atem gefährlich nah auf die Pelle rückt. Ich tue so, als würde mich das nicht weiter tangieren, aber innerlich schlucke ich einen großen Brocken meiner letzten Mahlzeit zum zweiten Mal herunter.
Dann erscheint er. Mephisto, der Leibhaftige persönlich. Während ich mich noch lässig an die Wand presse, schaue ich ihn mir mal etwas genauer an. Mhh…er sieht irgendwie aus wie Herr Kaiser von der Hamburg Mannheimer oder wie der nochmal heißt. Grauer Anzug, weißes Hemd, dazu blaue Krawatte. Ok, das kann ja wohl nicht der große Verführer, die Personifizierung des Bösen sein. Der hier sieht aus wie Onkel Klaus auf meiner Konfirmation. Vielleicht frage ich sicherheitshalber doch mal nach.
„Ähh, Entschuldigung aber ich glaube hier liegt ein Missverständnis vor..ich wollte eigentlich zu Herrn Teufel!“
„Er steht vor dir, mein Sohn. Wirklich und wahrhaftig hast du nach so langer Zeit der Bürde und Repression endlich dein Ziel erreicht!“
„Ich frage nur, weil mein Onkel Klaus nämlich-“
„Schweig Sterblicher. Rede, wenn du gefragt wirst!“
Ich schweige.
„Die ist meine alltägliche Arbeitsmontur, die dir ein wenig die Angst vor meiner tatsächlichen Erscheinung nehmen soll, welche fürwahr furchteinflößend ist. Außerdem erweckt der Anzug Vertrauen. Was führt dich nun zu mir?“
„Ich habe doch meine Unterlagen wie gewünscht 2 Wochen vor diesem Termin fristgerecht eingereicht? Na gut, ich möchte dir einen Tauschhandel unterbreiten. Meine Seele gegen…naja, wie’s halt in meiner Bewerbung steht.“
„Ach ja, du bist der Verrückte, von dem mir bereits berichtet wurde. Ich habe deinen Brief nebst deiner Unterlagen erhalten und gelesen. Aber du bietest mir deine Seele für etwas, dass ich dir nicht geben kann. Du bist umsonst gekommen! Nimm dir beim Rausgehen noch eine Broschüre mit!“
„Was heißt das, es geht nicht? Ich bin um die halbe Welt gereist, nur damit du mir sagst, dass es nicht geht? Du bist doch der Chef von dem ganzen hier. Eine Seele für einen Wunsch steht doch auch in dieser Broschüre! Wir machen Träume möglich, steht da ebenfalls. Seit Jahrhunderten betreibst du deinen nicht ganz legalen Handel mit den Gemütern der Menschen auf der ganzen Welt und jetzt stehe ich hier und höre ein: ham wir nich im Sortiment? Das kann nicht dein Ernst sein. Guck doch erst noch mal im Lager nach!“
„Bist du fertig? Ich kann dir nicht geben, was du willst, weil deine Seele schon zu verkümmert ist. Da ist für mich nichts zu holen, es wäre kein lukratives Geschäft. Mein Ruf würde erheblichen Schaden nehmen. Wärst du früher gekommen…tut mir leid.“
„Dein Ruf? Du hast doch das weltweite Monopol auf dieses Geschäftsmodell! Und überhaupt meine Seele ist super drauf. Die ist noch gut in Schuss.“
„Was du haben willst ist viel mehr wert. Ich habe mal nachgerechnet und du müsstest derer deiner Seelen mindestens 3 feilbieten. Hast du 3 Seelen?“
„Wer hat schon 3 Seelen, ich hab noch nicht mal EINEN Verstand! Ich mache dir einen Vorschlag. Gib es mir für einen Tag. Nur ein Tag. Ich leg noch 120 Euro drauf. Hier, ich habe meine Sparkassencard extra dabei. Ich hab das Geld!“
„Du bist fürwahr verzweifelt, das kann ich sehen, aber es reicht vorne und hinten nicht. Komm wieder, wenn du mindestens eine intakte Seele und 1 Million Euro in bar auf der Kante hast. Dann können wir nochmal drüber reden!“
„Nanntest du gerade wirklich diese immens hohe Summe, die ich mir nicht mal vorstellen, geschweige denn ausschreiben kann? Soviel Geld hat nicht mal mein Chef!“
„Dann eben nicht. Aber dein Wunsch ist es wert.“
„Ich weiß, das ist ja das Dumme. Ich werde nicht mal das mit der intakten Seele hinbekommen. Dann kannst du gar nichts für mich tun?“
„Ich könnte dir einen Mengenrabatt für eine kleinere Nase gewähren. Oder einen Nachlass auf einen besseren Mützengeschmack!“
„Ach ja, diese Mütze. Das verfolgt mich. Aber das alles will ich nicht. Ich will nur das Eine!“
„Es tut mir leid! Aber bitte geh jetzt, denn es warten noch eine Menge Leute da draußen!“
Das Alles ist nicht wirklich passiert.
Aber ich würde meine Seele verkaufen, wenn ich könnte.
Das ist die Wahrheit.