Fuchslosophie

Ein Fuchs streift alleine durch den Wald, den er so gut kennt wie kein zweiter Fuchs.

Ein zweiter Fuchs, der den Wald nicht so gut kennt, begegnet ebendiesem erstgenannten Fuchs und beide setzen sich auf ihre Hinterläufe und starren sich an.

Der erste Fuchs wartet eine Weile, dann spricht er den anderen Fuchs an „Sieh mal Füchslein, in diesem Wald ist kein Platz für uns beide, daher solltest du schleunigst das Weite und dir einen anderen Wald suchen!“

Daraufhin entgegnet der andere Fuchs nichts. Er bleibt stumm.

Der erste Fuchs beginnt von neuem „Du bist doch so ein schlauer Fuchs, warum sagst du nichts? Kannst du nicht sprechen?“

Der andere Fuchs schweigt weiterhin. Keine Regung geht von ihm aus.

Das macht den ersten Fuchs fuchsteufelswild und er brüllt:
„Das hier ist mein Revier und wenn du nichts zu sagen hast, dann verschwinde gefälligst und lass´dich hier nie wieder blicken!“

Der andere Fuchs gähnt laut und reißt dabei das Maul sehr weit auf. Aber nun endlich setzt er zu einer Erwiderung an “ Ach ja, ich halte mich nicht für schlauer als manch anderen Fuchs, und falls ich es wär, so würde ich darüber schweigen. Aber ich frage dich, was veranlasst dich dazu zu glauben, du hättest ein Anrecht auf diesen Wald?“

Der erste Fuchs ist verwirrt. Er findet erst keine Antwort auf die Frage des anderen Fuchses. Dann sagt er: „Nun, ich war schon immer hier, ich kenne den Wald genau und der Wald kennt mich genauso gut!“

Der andere Fuchs beginnt zu lachen „Ach Fuchs, nur weil etwas schon immer so war, muss es doch nicht auch immer so bleiben und das Richtige, das einzig zu existieren Berechtigte sein. Hat man dir das nie beigebracht?“

Der erste Fuchs entgegnet: „Was du nicht sagst, ist es nicht eher so, dass das Bewährte Bestand hat, das Neue hingegen nur einen flüchtigen Augenblick lang währt?“ Ich fürchte, wir befinden uns in einem scheußlichen Dilemma, da wir offensichtlich gegensätzlicher Meinung sind. Aber ich habe natürlich recht.“

Der andere Fuchs reagiert gelassen. „Aber sieh mal, entgegen deiner Annahme kann ich dir versichern, dass deine Argumentation im Sande verläuft, sobald du erst einmal genauer darüber nachdenkst. Das Unentdeckte, Unbekannte kann doch auch einen wunderbaren Neuanfang darstellen, dass wiederum, falls es sich bewähren sollte, durch seine Kontinuität ebenfalls zur Beständigkeit führt. Es gibt nicht nur eine Wahrheit!“

Der erste Fuchs kratzt mit seiner Pfote über seinen Kopf (ok, das ist jetzt übertrieben). Der erste Fuchs denkt kurz nach. „Da ist was wahres dran. Ich kann nicht umhin, dir in diesem Punkt zuzustimmen. Nur, was fangen wir jetzt mit dieser Erkenntnis an? Wer von uns beiden darf bleiben, wer soll gehen?“

Der andere Fuchs erhebt sich gemächlich, läuft am ersten Fuchs vorbei, dreht sich noch einmal um und sagt: „Füchslein, Füchslein…ich wollte dir nie deinen Wald streitig machen. Ich bin auf dem Weg zu meinem Vetter, 3 Wälder weiter, um ihm einen Besuch abzustatten. Aber es freut mich, falls ich deinen Horizont ein wenig erweitern konnte. Auch du solltest vielleicht dann und wann einmal dein Revier verlassen und dich umschauen. Die Welt ist größer als nur ein Wald, weißt du? Mach’s gut!“ Sprach’s und lief von dannen.

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