Chaos und Zerstörung werden erst durch unsere Vorstellungskraft zum Leben erweckt. Und die kennt keine Grenzen.
Die Autobahn. Ein grüner Kleinwagen. Am Steuer sitzt ihre Mutter, das konnte Rosa deutlich erkennen. Und dann ist da noch dieser gigantisch große Reisebus, der sich plötzlich querstellt, als hätte es sich der Fahrer anders überlegt und nun einfach mitten auf dieser Schnellstraße wenden wollte. Als sich das kleine Auto beim Ausweichvorgang wie eines von Rosa´s Spielzeugautos mit Leichtigkeit mehrfach überschlägt, ist kein Geräusch dieser schrecklichen Szenerie auszumachen, obwohl Stahl, Blech und Kunststoff praktisch greifbar real vor ihren Augen zerdrückt, zermalmt, zerfetzt und zerrissen werden.
Und dann war es vorbei. Die Bilder verschwanden so plötzlich, wie sie gekommen waren und es war Rosa, als würde sie aus einem bösen Traum erwachen. War sie eingeschlafen? Wie konnte das sein? Eben noch hatte sie hellwach dagesessen und ihre kaputte Uhr beklagt, die..auf einmal 12:55 Uhr anzeigte und unnatürlich laut zu ticken, schnurren und rasseln schien.
Aufgewühlt und zu Tode beunruhigt rannte Rosa nach Hause, sie schaffte den Weg in der Hälfte der Zeit, die sie sonst für diese Strecke benötigte. Währenddessen liefen ihr ununterbrochen Tränen über das Gesicht, Rotz tropfte aus ihrer Nase und sie fror ganz entsetzlich, trotz der warmen Temperaturen, mit denen der Juni bereits den kommenden Sommer ankündigte.
Zu Hause angekommen, lief sie verzweifelt suchend durch die Wohnung, immer und immer wieder stakkatoartig den Namen ihrer Mutter schreiend, ja förmlich kreischend, bis sie Evelyn schließlich in der Küche vorfand, sie schluchzend mit ihren dünnen Ärmchen umfasste und sich unnachgiebig, so fest sie nur konnte, an ihr festkrallte. Rosa wollte ihre Mutter nie wieder loslassen, nie wieder alleine lassen und vor allen Dingen niemals wieder in ein Auto steigen lassen. „Was ist denn passiert Rosa? Was ist los? Du zitterst ja!“
Doch Rosa konnte nicht darüber reden, was ihr gerade widerfahren war. Es war nur ein Traum gewesen. Sehr real zwar, aber nur ein Gebilde ihrer Fantasie und das hatte ihr anscheinend diesen furchtbaren Schrecken eingejagt. Außerdem wollte sie ihre Mutter nicht beunruhigen und wie ein dummes kleines Mädchen dastehen. Evelyn besaß zwar ein Auto, allerdings handelte es sich um einen roten, altersschwachen Kombi und keinen grünen Kleinwagen.
„Ich habe noch eine Überraschung für dich Rosa. Nach dem Essen holen wir unseren neuen Wagen ab. Er wird dir gefallen, denn er ist..tata..grün! Wie deine Lieblingsfarbe, naja, fast jedenfalls. Er ist zwar etwas kleiner als der alte, aber dafür fährt er sich gut und geht nicht immer aus! Es wurde echt Zeit. Freust du dich?“
to be continued…