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Besser? Nein. Nichts fühlt sich wesentlich besser an. Alles ist weitestgehend genauso schlimm wie immer. Zumindest an Tagen wie diesen. Und ich spreche nicht vom heutigen Tag. Ich tappe immer wieder in diese Kindskopf-Falle mich von gewissen Situationen und Tagesabläufen überraschen zu lassen. An der Gefühlsfront tut sich wenig Neues. 

Dann trete ich sowas von auf der Stelle, meine Beine stecken knietief im Emotionsmorast. Ich frage mich, warum das alles gerade geschieht und worin der Sinn dessen besteht. Muss überhaupt alles einen Sinn ergeben? Ich habe Phasen, in denen ich mich so stark und lebendig fühle. In solchen, für mich wertvollen Momenten denke ich, dass alles möglich ist. In diesen flüchtigen Augenblicken scheint die Zeit aber auch viel schneller zu laufen als gewöhnlich. 

Was ist da bloß los und warum nimmt diese Fixation zwar ab, jedoch nur um dann wieder aus dem Hinterhalt rücksichtslos zuzuschlagen? Dann geht wieder gar nichts und ich fühle mich so allein und einsam ohne Hoffnung auf Besserung oder Rekonvaleszenz. Etwas fehlt mir. Etwas Bestimmtes. Oh ja. Es glänzt durch Abwesenheit und hinterlässt eine gewisse Leere, zumindest zeitweilig. Das ist pure, archaische Sehnsucht, die in mir brennt und dieses Feuer geht einfach nicht aus. Es geht einfach nicht aus. Nicht ganz. 

Immer wieder erwische ich mich dabei zu denken, dass alles so vorherbestimmt ist. Weil ALLES schief gegangen ist, was nur hätte schief gehen können. Determinismus, wir hatten das schon. Aber warum? Diese Frage nach dem Warum quält mich. Warum darf es einfach nicht sein, warum entferne ich mich statt näher zu kommen? Klar, meine Entscheidungen und Handlungen haben mich dorthin geführt, wo ich jetzt stehe, aber warum nur habe ich so gehandelt und was hat mich dazu bewogen, all das zu tun? Das ist absolut nicht nachvollziehbar. 

Nehmen wir an, ich stehe an einer Gabelung mit zwei Wegweisern. Auf dem einen Schild steht: RICHTIGER WEG und auf dem anderen: FALSCHER WEG, beides gut lesbar in riesengroßen, gar leuchtenden, ach was – blinkenden – Druckbuchstaben. Ich schlage garantiert den falschen Weg ein, obwohl ich es doch so deutlich vor mir sehe, sehen müsste, hätte sehen müssen, hätte gesehen haben müssen.

Wie lange kann ich dieses klapprige Gerüst noch aufrecht erhalten? Therapie hin oder her, das Verlangen nach Nähe und Verbundenheit wird bestehen bleiben. Es wird abnehmen aber nie ganz verschwinden. Und wenn doch, liegt zumindest noch eine lange Distanz vor mir. But I’m a long distance driver. Vielleicht. Wenn ich doch nur wüsste, was noch alles auf mich zukommt.

Die Zukunft hat der Vergangenheit einiges voraus. Mein bester Satz seit langem.

Vielleicht müsste ich mich einfach damit abfinden. Mit diesem für mich bestimmten Determinismus. Aber irgendetwas in mir lehnt sich dagegen auf. 

1 Schritt vor und 3 zurück. So bin ich unterwegs. 

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