99 Blogbeiträge seit August. Dies ist Nummer 100. Jubiläum also. Komisch, das es sich nicht gut anfühlt. Im Gegenteil.
28.11.2016
Liebes Tagebuch,
ich versuche zu verhandeln. Mit meiner Therapeutin und mit mir selbst. Ich verhandele über mein Schicksal, über das, was aus mir wird, werden soll. Über den Ausgang der Therapie, über das Ende meiner Depression. Das funktioniert natürlich nicht. Darüber lässt sich nicht verhandeln, höchstens mit dem Teufel, aber den gibt es wohl nicht. Sonst wäre ich sein bester Kunde und hätte längst keine Seele mehr.
Ich habe Frau W. gezeigt (zeigen müssen), was ich mit dem Messer getan habe. Mit diesem schönen, scharfen Messer. Initialen und lustige Symbole lassen sich mit dieser wunderbaren Erfindung prima auf und in der Haut verewigen. Indem ich das tue, fungiere ich sozusagen als verlängerter Arm der Inquisition, meines persönlichen Strafgerichtes. Wenn der Verstand aussetzt, verblasst die Angst, sie wird zurückgedrängt und zeitweilig außer Kraft gesetzt. Bis sie wiederkommt und in ihrer ganzen furchterregenden Pracht erneut zu strahlen beginnt.
Es ist Zeit. Die Endlichkeit anzuerkennen.
Gewissheit ist eine Kettensäge. Erst legt sich der entstellte Schatten des Schwertblattes bedrohlich martialisch über deinen Körper, wandert hoch zum Kopf, nur um sich dann tief in das Fleisch zu schneiden, es zu metzeln, gar förmlich abzuschlachten.
So fühlt es sich im Kopf, im Herzen und meinetwegen auch in der Seele an. Ein Gefühlsmassaker, serviert als Schlachtplatte für den Verzehr und Genuss der Teufel, der Dämonen in meinem Schädel, deren Gelage und Gelächter noch lange hohl nachklingen wird. Danke dafür.
Es liegt ein langer Weg vor mir, dessen Windungen mich nicht mein eigentliches Ziel in der Ferne erkennen lassen. Ich weiß nicht, was mich hinter der nächsten Biegung erwartet, aber ich fürchte nichts Gutes. Man gewöhnt sich an den Schmerz. Man KANN sich daran gewöhnen. Ich aber nicht. Wir werden niemals Freunde. Niemals. Das lasse ich nicht zu.
Ich werde weiter suchen, ich werde nicht aufhören zu forschen und zu fahnden um das Einzige zu finden, das mich erretten kann.
Mich selbst.