0 (null)


Nullwert=ein Zustand, der das Fehlen eines Wertes anzeigt. 

Einsamkeit gibt es bei meiner Depression on top. Als Früchtegarnitur auf den Cocktail, der, gemischt, gerührt und geschüttelt aus 2cl Wehmut, 4cl Selbsthass, mit 100 Gallonen unverdünnter Traurigkeit aufgegossen wird. Den Scheiß spüle ich mir jeden Tag die Kehle runter.

Ich bin Luft für meine Umwelt und langsam beginne ich ein Muster dahinter zu entdecken. Wenn es irgendwie und irgendwo eins auf die Fresse geben kann, komme ich mit meinem fetten, schnellen Sportwagen, den ich extra für diesen Zweck besitze angeprescht, springe aus der Flügeltür und beanspruche den ersten Platz in der Reihe. Geht auf Seite ihr Loser, hier kommt der König der Verlierer. So ein Quatsch, ich wäre sowieso immer der Erste. Nur keine Eile, das Schicksal hat unendlich Zeit. Es kann warten. Es weiß genau, woran ich zerbreche und setzt eben dort an. 
Gibt es so etwas wie einen Ausschuss, der allwöchentlich einmal tagt und beratschlagt, was man sich denn als nächstes alles so einfallen lassen könnte? Eine Art kreatives Brainstorming zum Projekt: Dekonstruktion des A.M. Warum tut ihr das nur? Warum zerlegt ihr mich nach und nach in meine Einzelteile ohne die Absicht zu haben, mich wieder auf andere Art zusammenzusetzen? Legt ihr die Komponenten meines defragmentierten Ichs später sauber sortiert in einen Plastikcontainer, beschriftet ihn mit „0“ und stellt ihn dann in eines von 1.000.000 Hochregalen in euer Archiv, das sogenannte Traumatorium?

Das wäre doch was. Einer von Vielen. Wie vermutet. Und wieder hat das Schicksal gesiegt und freut sich diebisch auf seine fette Gratifikation am Ende des Jahres. Und das Jahr geht langsam zu Ende. Nur noch ein paar Wochen. Vielleicht ist dann endlich alles vorbei. Das Leid, der verdammte Schmerz und dieses Kopfdesaster. Nicht, weil ich dann geheilt wäre, denn das wird nicht passieren. Ich bleibe die „0“. Vielmehr, weil ich dann die Kraft für etwas Großes, Bewegendes und Befreiendes zu hoffen habe. 

Ich bin Nichts. Ein Niemand. Nicht, weil ich das denke, weil es sich in meinem Kopf aufgrund meiner Depression manifestiert hat, sondern weil ich es tagtäglich zu spüren bekomme. Mein Gespür betrügt mich nicht. Es kennt die Wahrheit. Ich kenne die Wahrheit. Ich bin auf einem abschüssigen Pfad unterwegs, ich weiß. Aber es gibt keinen Anderen. 

So long. 

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