Samstagabend. Ich brauche Bargeld. Also mache ich mich auf den kurzen Weg hinüber zur Sparkasse, die etwa drei Minuten zu Fuß entfernt von meiner Wohnung liegt. Als ich dort ankomme, stehen bereits drei von heftigem Punschkonsum körperlich und geistig überforderte Jugendliche vor den beiden Automaten. Ich schätze sie auf höchstens 18 Jahre. Das berauschte Trio klammert sich feixend und johlend an seinen Glühweinbechern fest.
Nummer 1, nennen wir ihn Moe, versucht jetzt seine PIN einzugeben, während Nummer 2, Curly, etwas abseits vor dem zweiten unbelegten Geldautomaten steht. Nummer 3, Larry also, steht unbeteiligt in der Mitte und glotzt. Da Curly keinerlei Anstalten macht, Geld abheben zu wollen und mir bereitwillig Platz zu machen scheint: „Ich lass Sie gerne vor!“, drängel ich mich an ihm vorbei um festzustellen, dass der Automat außer Betrieb ist. „Uups, da ist wohl was kaputt!“, gluckst Curly. Larry und Moe kichern. Aha. Daher weht der Wind. Da ist jemand auf Krawall aus. Mir doch Wumpe. Bitteschön, da mir das heute noch im Portfolio gefehlt hat-also los.
Ich stelle mich direkt vor Curlys Glühweinfahne und schaue ihm in seine trüben Augen.
„Du bist ein Spaßvogel, was?“ sage ich zu Curly.
Larry und Moe fangen an zu raunen und verhöhnen ihren berauschten Freund: „Oops, da fehlt dir aber jetzt die Sprache was?“ Einen klaren Anführer scheint es in diesem Kollektiv jedenfalls nicht zu geben.
Curly wackelt etwas nach vorne und dann wieder nach hinten, während er schließlich entgegnet: „Also ich habe gerne etwas Spaß, Sie nicht?“ Er siezt mich. Wie nett. Ich trage übrigens meine Bomberjacke, die mich wahrscheinlich etwas bedrohlicher aussehen lassen lässt, als es tatsächlich der Fall ist. Denn innerlich bin ich ziemlich angespannt. Ich habe noch nie körperlich gekämpft und schon gar nicht gegen die drei Stooges.
„Doch, wenn es angebracht ist schon“ entgegne ich und wende mich ein wenig ab, Richtung Geldautomat Nummer zwei. Falls ich dachte, dass jetzt durch meine gespielte Ignoranz Ruhe einkehren würde-ja klar, und heute Abend bekomme ich noch Besuch von 3 Topmodels, die mich unbedingt kennenlernen wollen-ach Mist, die drei Stooges sind immer noch da. „Sie scheinen mir etwas aufgebracht und erregt zu sein“, frotzelt Curly. Alter, du Gesichtsfünf, schwaller mich nicht voll, denke ich und sage ruhig „Nein, da täuscht du dich. Und jetzt lass gut sein!“
Moe ist jetzt fertig und gibt die Geldmaschine frei. Endlich. Die drei Glühwürmchen trotten lachend aus dem Sparkassenvorraum. Sie werden noch jede Menge Spaß haben diese Nacht. Ich nehme mein Geld aus dem Auswurfschlitz, stecke es ein und mache mich mit ein wenig weichen Knien auf den Weg zurück zu meiner Wohnung.
Nochmal gut gegangen. Keine Ahnung, was passiert wäre wenn…wahrscheinlich hätte ich ordentlich in die Fresse bekommen.
Schade.