Strahlendes Wesen

Strahlendes Wesen,

vom Schatten verschlungen,

funkelst du nun nicht mehr so.

Als ob es dich gar nicht mehr gäbe,

als hätt‘ es dich niemals gegeben.

Doch sieht man genau hin,

erkennt man den Umriss,

nicht leuchtend, bloß fast schwarz auf schwarz.

Nur eine Nuance noch heller als unerkennbar,

sodass du dich abhebst als schwacher Kontrast

und man ahnt, dass du einst warst voll Leben.

Jetzt langsam verlierst du auch deine Konturen,

verschmilzt mit dem Grund, auf den ich dich legte,

zum sterben bereit, so wie ich es dachte.

So wartest du nun und flüsterst fast ängstlich:

wann endlich nur endlich!

Ich betrachte dich näher

und sehe es jetzt erst,

ganz deutlich erkennbar,

du bist wohl noch lang‘ nicht soweit.

Ich versuche mein bestes und hebe dein Haupt an,

doch wiegt es so schwer,

ganz fiebrig und feucht deine Stirn,

die Augen geschlossen und noch voller Tränen.

Du musst es versuchen,

die Hand mir zu geben,

ich halte dich fest, ich verspreche es dir.

Doch musst du sie mir reichen,

ich kann sie nicht nehmen,

denn nur du bestimmst ob du das willst.

Erst zaghaft dann dringlich,

mit immer noch mehr Kraft,

streckst du deine Glieder,

stellst dich auf die Beine

und zitternde Knie heben sich in die Höhe

und ragen hinaus über mich.

Dein Blick bleibt gesenkt,

geht nicht auf gen Himmel,

du bleibst noch zurück mit Vertrauen und Mut,

die dich zu dem machten,

was mancher gern wäre,

doch bist du gefallen und musst nun neu beginnen,

ich weiß auch es fällt dir so schwer.

Bist müde und schwach noch,

vom liegen und dämmern,

du warst ganz allein,

hast den Weg dir gesucht,

auf dem niemand dir jemals begegnet.

Aber nun wird es Zeit für dich wieder zu leuchten,

du musst es versuchen,

du weißt doch noch wie es geht.

Und richtig so ist es,

du öffnest die Arme und breitest die Flügel

und fängst an zu gehen,

die ersten Schritte sind schwer.

Der Schatten verschwindet,

ganz langsam und ungern,

doch weiß er es jetzt endlich auch.

Er gibt nach und verlässt dich,

hört auf dich zu kleiden,

er kriecht aus dem Bild

und das Licht kehrt zurück.

Strahlendes Wesen,

du bist noch geblendet,

warst Dunkelheit` Freund,

doch öffnest die Augen

und was du jetzt siehst-

-das bin ich.

So sehr ich auch wollte,

so sehr ich mich sehne,

ich kann nicht mehr stark sein,

nicht länger ein Baum sein,

denn weiß ich auch nicht mehr wofür.

Ich bin was ich bin,

und weiß was ich werde,

kein strahlendes Wesen wie du.

Ich kann mich nicht ändern,

mich nicht neu erfinden,

um jemand zu sein, den man liebt und begehrt.

Und so bleibt die Geschichte,

nichts weiter als Dichtung

und wird ihrer Wahrheit entfliehen,

doch das schöne an Märchen,

denn hier ist es möglich,

ist wie wir uns darin verlieren.

Hinterlasse einen Kommentar