
Richter: Angeklagter, bekennen Sie sich schuldig?
Angeklagter: Weiß nich. Irgendwie nich.
Richter: Bitte antworten Sie nur mit ja oder ja.
Angeklagter: Entschuldigung, bitte was?
Richter: Dann geht es schneller.
Angeklagter: Geht es hier um einen Rekord, den es einzustellen gilt?
Richter: Bringen Sie dem Gericht etwas mehr Respekt entgegen! Hier geht es nicht um Rekorde, sondern um eindeutige Tatsachen und Beweise, die für sich und gegen Sie sprechen!
Angeklagter: Ach so. Also, ich leugne nichts.
Richter: Sie sind sich also Ihrer Schuld durchaus bewusst?
Angeklagter: Ich weiß ja nicht einmal, wessen ich angeklagt werde. Und wie ich hier überhaupt hergekommen bin. Ich meine, eben noch stand ich an der Lidl-Kasse und plötzlich-schnipp-stehe ich hier vor Ihnen. Ich muss mich erstmal sammeln. Wo sind denn eigentlich meine Einkäufe jetzt hin? Weil, mein Kühlschrank ist ziemlich leer, wissen Sie?
Richter: Das ist mir alles herzlich egal! Hier geht es nur um Schuld und Sühne.
Angeklagter: Der Mensch muss essen. Kann ich jetzt gehen?
Richter: Ruhe! Sie gehen nirgendwo hin. Es gibt einen mehr als guten Grund dafür, dass Sie hier sind.
Angeklagter: Da bin ich froh, weil ich schon dachte, ich würde hier ohne Prozess und Anhörung einem Urteil untergeordnet werden. Wie wäre es also, Sie würden mir sagen, was hier eigentlich vor sich geht?
Richter: Das wissen Sie doch ganz genau!
Angeklagter: Weiß ich nicht!
Richter: Tun Sie doch!
Angeklagter: Tu ich nicht!
Richter: Und ob!
Angeklagter: Nein!
Richter: Wohl!
Angeklagter: Wir drehen uns im Kreis!
Richter: Meinetwegen, aber ich habe recht!
Angeklagter: Womit?
Richter: Na…mit dem…was ich gesagt habe. Das mit dem…dings…
Angeklagter: Dass ich es weiß?
Richter: Was wissen?
Angeklagter: Weiß ich doch nicht. Das ist es ja gerade.
Richter: Sie bringen ja auch alles durcheinander. Jetzt weiß ich es wieder!
Angeklagter: Ich frage jetzt mal nicht.
Richter: Ich stelle hier ja auch die Fragen. Sie antworten nur! Also?
Angeklagter: Ja, also. Also ja. Oder so. Ich stimme Ihnen zu. So gut?
Richter: Sehr vernünftig! Alles wieder auf Anfang. Sind Sie nun geständig und bekennen sich schuldig?
Angeklagter: In allen Punkten. Und in allen, die noch keine Erwähnung fanden.
Richter: Wie? Was meinen Sie?
Angeklagter: Na, wo das herkommt ist bestimmt noch mehr.
Richter: Noch mehr? Was denn noch?
Angeklagter: So dieses und jenes. Vor allen Dingen jenes.
Richter: Können Sie das näher erläutern?
Angeklagter: Nein.
Richter: Och bitte…
Angeklagter: Sie sagen mir ja auch nichts.
Richter: Was möchten Sie denn wissen? Ich meine, man kann ja über alles sprechen…
Angeklagter: Ich glaube, ich möchte jetzt das Urteil hören.
Richter: Wenn wir etwas übersehen haben sollten, dann wäre das mehr als ärgerlich und überaus peinlich, verstehen Sie?
Angeklagter: Würden sich weitere Offenbarungen positiv auf meine Strafe auswirken?
Richter: Kommt drauf an. Die zweifache Todesstrafe könnte eventuell in doppelte lebenslange Arbeit in einem sibirischen Steinbruch umgewandelt werden. Wenn Sie es wünschen, könnten wir auch versuchen, beide Strafmaße miteinander zu kombinieren.
Angeklagter: Klingt verlockend. Warum fällt das Urteil dermaßen hart aus? Ich meine, ist das nicht die Höchststrafe?
Richter: Das ist sie. Nichts anderes aber würde Ihrer Schuld gerecht werden.
Angeklagter: Na gut. Sie müssen es ja wissen, schließlich haben Sie das ganze Zeug ja studiert. Ich akzeptiere das Urteil.
Richter: Sehr gut. Ein kurzer Prozess.
Angeklagter: Eine Frage noch. Was habe ich denn nun eigentlich getan?
Richter: Etwas sehr sehr Schlimmes.
Angeklagter: Aha.
Richter: Ja.
Angeklagter. Ja.
Richter: Tja.
Angeklagter: Tja.
Richter: Sie haben auf jeden Fall richtig gehandelt. Indem Sie sich bekennen und den Richterspruch akzeptieren, werden Sie nun den verdienten Frieden finden, nach dem Sie sich so sehr gesehnt haben.
Angeklagter: Das will ich aber auch hoffen, nach dem ganzen Aufwand und der Aufregung.
Richter: Also, was darf’s denn nun sein: Steinbruch, Messerstich ins Herz oder beides?
Angeklagter: Mhh…schwierigschwierig…könnte ich darüber noch einmal in Ruhe nachdenken?
Richter: Aber sicher. Lassen Sie sich Zeit. Kommen Sie wieder, wenn Sie eine Entscheidung gefällt haben.
Angeklagter: Mach ich, mach ich! Ist mir jetzt etwas peinlich, aber wie war das mit meinen Einkäufen? Da war auch tiefgefrorenes dabei, deshalb…
Richter: Sagen Sie beim rausgehen einfach dem Gerichtsdiener Bescheid. Er wird es Ihnen dann aushändigen.
Angeklagter: Danke und bis bald dann!
Richter: Ja, bis bald. Ach und bitte nicht die Stadt verlassen, ohne uns darüber zu informieren! Das wäre nett.
Angeklagter: Geht klar!