Glasbodenpfad

  • Es gibt Tage, an denen es einfach immer nur noch schlimmer wird. In diese Richtung gibt es keine Grenzen. Wer jetzt noch behauptet, so etwas wie ein Schicksal, eine Vorherbestimmung für ein Leben existiert nicht, kann mich mittlerweile nicht mehr plausibel vom Gegenteil überzeugen. Der Niedergang dauert schon zu lange, als dass es dafür noch eine nachvollziehbare Erklärung geben könnte. Ich möchte tot sein. Ich kann mir vorstellen zu sterben. Ich sehne mich danach, dass endlich alles vorbei ist. Ich will nicht mehr länger dieses Martyrium durchleben müssen. Ich drücke Zigaretten auf mir aus, ich lasse wieder Klingen über meine Haut fahren. Absolut lächerlich. Zu mehr bin ich selbst nicht imstande. Was für ein Kinderkram. Hör mich endlich an, du beschissenes Scheißleben: holt mich ab, beendet es. Macht Schluss. Tut es endlich. Planänderung. Statt eines langen Leidens, wie ursprünglich vorgesehen, keine lästige Verzögerung, kein Ausharren mehr. Ich bin schon lange bereit. Macht endlich etwas. Oder gebt mir die Kraft, es selbst zu tun. Ich weiß, das ist bedenklich. Aber es ist die Wahrheit. Die beschissene Wahrheit. Ich scheiß auf alles. Ich bin ein Stück Dreck, das entsorgt werden muss. Nichts anderes wird mir tagein, tagaus vermittelt und nichts davon bilde ich mir nur ein. Leider nicht. Wer glaubt, dies ließe sich allein durch therapeutische Unterstützung beheben, unterliegt einem fatalen Irrglauben. Durch ein paar Gespräche wird mein Leben doch nicht besser. Oh nein, darüber bin ich längst hinaus. Es geht überhaupt nicht um meine eigene, nicht gegebene Akzeptanz, sondern um die der anderen mir gegenüber. Oder glaubt noch jemand ernsthaft die Mär, dass beide Dinge in einem kausalen Zusammenhang stehen, wäre wahr? Dann habt ihr nicht durchlebt, was ich durchlebt habe. Mit dem mir noch verbliebenen Restverstand versichere ich euch: dem ist nicht so. Ich werde niemals wieder aus der Dunkelheit emporsteigen können. Nicht aus eigener Kraft. Ich weiß auch nicht mehr, was ich hier noch schreiben könnte. Mir ist die Puste ausgegangen. Aber bis zuletzt werde ich mich nicht beugen, nicht akzeptieren, was mit mir geschieht. Ich kann es nur hinnehmen, weil ich es eben muss.  Schreiben ist alles, was mir geblieben ist. Nur ist längst alles gesagt und niedergeschrieben, es gibt nur noch shuffle und repeat play mit austauschbaren aber letztendlich leeren Worthülsen. Also entgleitet mir das jetzt auch noch. Aber ich mache weiter, bis der Wahnsinn oder mein Dasein endet. Ich wandere auf dünnem, gläsernen Boden und sehe den Abgrund direkt unter mir. Ich bin einsam. Ich bin allein. Aber ich habe keine Angst vor dem Tod. Nur vor dem Weiterleben. 

Ein Gedanke zu “Glasbodenpfad”

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