Wir konnten niemals Freunde sein

Es gab Myriaden von Wegen, Strecken und Pfaden, die alle von dir wegführten und in deine entgegengesetzte Richtung liefen, ohne jeglichen Widerstand, Einwände und Rückschläge erwarten zu müssen.

Ich aber machte mich auf und schritt aus der Tür

Ich zog den Reißverschluss bis unters Kinn und rückte mir die Kapuze tief ins Gesicht

Drei Stufen hinab und dann einfach drauflos

Ich ging die Straße hinunter und erreichte die Gabelung

Links, rechts oder geradeaus

Auf zwei von drei Schildern stand dein Name

Ich wählte nicht die Route ohne Bezeichnung

Im Gepäck nur meine Gedanken und meine Gefühle

Ein letzter Blick noch zurück auf die Kreuzung 

Dann zurrte ich an den Riemen, die über meinen Schultern lagen

Und marschierte los, den Blick fest auf das zerfurchte Pflaster gerichtet

Es ging stetig bergauf, doch damit war zu rechnen

Ich setzte behutsam einen Fuß vor den nächsten
denn jeder Schritt wollte gut überlegt sein

Der Wind wurde stärker und Regen setzte ein

Das Wasser rann mein Gesicht hinab
lief in meine feuchtwarmen Augen, 
vermengte sich mit dem salzigen Nass
durchtränkte meinen Anorak 
und beschwerte meinen Gang

Aber weißt du was?

Ich wollte immer weitergehen, 
ohne mich darum zu scheren

Ich wollte allen Orkanen, Stürmen, Unwettern 
und Widrigkeiten trotzen

Ich wusste ich sollte, ich durfte nicht ankommen, musste um jeden Preis scheitern

Wahrscheinlich sollte es mir nie gelingen 
dich irgendwann zu erreichen

Vielleicht bewegte ich mich nur auf der Stelle

Aber ich gab dich nicht auf, 
wollte nicht tatenlos zusehen, wie du dich aus dem Staub machst

Denn noch nie hatte ich mich so verausgabt 
und bin trotzdem niemals müde geworden

Noch nie hatte ich aus meinen vermeintlichen Schwächen soviel Kraft geschöpft

Mein Hunger nach dir trieb mich weiter voran

Ich habe für meine Fehler dir gegenüber einen hohen Preis bezahlt

Ich war seelisch abgebrannt, aber nicht im geringsten furchtsam immer wieder zu scheitern und zu stolpern

Weil nämlich du am Ende dieses Weges standest, 

Du, die mich eingenommen und verändert hat

Die mich staunen ließ und meinen Blick wandelte

Die mich erregte und berauschte

Die so trotzig und unglaublich stark sein kann

Die Unbestechliche, die man alleine dafür schon lieben muss

Die Neugierige, die unbeirrt ihren Weg geht

Das sind deine Züge, das ist deine Haltung, das sind deine Charakteristika und das waren die Gründe für meine Beharrlichkeit und für meinen eisernen Willen

Ich wollte nur, dass du dich wieder auf diesen einen Tag freust, wenn du am Morgen deine noch warmen Beine aus dem Bett hebst und deine Füße auf den kalten Boden stellst

Ich wollte dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern, während du dir die erste Zigarette drehst und du merkst es nicht einmal

Ich wollte dich immer wieder aufs neue überraschen und dich weiter neugierig machen

Und ich wollte, dass du etwas vermisst, sobald du dich abends wieder auf den Weg nach Hause begibst 

Vielleicht sind dies meine letzten Worte, die ich an dich richte und mit der gerade vorbeiwirbelnden Windböe ziehen lasse

Gedanken und Worte, die du schon kanntest und dir nichts neues entgegenwehen werden

Ich kann mich jedoch nicht befreien, denn Gedanken, Worte und Wind werden immer existieren

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