Ich glaube, ich habe meinen Glauben beerdigt 

Dereinst oder seinerzeit hing ich dem Glauben an. Einem Glauben an die Hoffnung, einem Vertreter der optimistischen Erwartungshaltung.  Er regte sich und gab sich zu erkennen, durch Charakter, durch Stärke und manchmal auch fürwahr durch Pose. 

Heut‘ bin ich geläutert, nein ich wurde regelrecht dazu gezwungen – und werde es noch – zu sehen, zu erkennen, was Wahrheit ist und was nichts weiter als eine maliziöse Lebenslüge zu sein schien. Mit dem Antlitz voran drücken mich schier unsichtbare Kräfte mit ihren starken Armen abermals um abermals in den übel riechenden Schlamm und Schlick der Erkenntnis, bis fast zur Ohnmacht gleich. 

Ich rieche und schmecke die rohe Körnung des Drecks, der mir in meinen Mund, meine Nase und meinen Rachen fährt und meine Atemwege vollständig zu verstopfen droht. Nur gerade noch rechtzeitig wird mein Haupt wieder hochgerissen, um fortan und vielleicht bis in alle Ewigkeit zur Verdammnis bestimmt zu sein, meinen Kopf weiterhin unentwegt, und nicht aus freien Stücken gar, in diesen Sand stecken zu müssen. 

Es sei nicht mein Verschulden und doch ist es genau das, denn nichts anderes als Schuld resultiert aus vermeintlicher Schwäche und menschlichem Versagen heraus, egal ob dies nun so gewollt sein mag oder nur der Laune der Natur entsprungen ist. Das Resultat bleibt dasselbe und ebenso nur das Gleiche, denn das Ergebnis besteht aus einer Gleichung mit Konstanten und Variablen, dessen ungeachtet sie jedoch immer wieder aufzugehen scheint. 

So vieles an Fehlern und Makeln sich auch gehäuft, so weniges davon nur ist abänderbar und nicht verpflichtend, sodass der Zeitpunkt kommen mag, an dem Einsicht und Akzeptanz eine verhängnisvolle Bindung miteinander eingehen werden, bis die Hoffnung in einer dunklen Gruft zu Grabe getragen wird. 

Und in ebenjener Krypta liegt mein Glauben nun lebendig begraben. Manchmal höre ich ihn mit den Fäusten gegen das knorrige, widerstandsfähige Holz des Sarges trommeln, jedoch werden diese Momente seltener, nur ein letztes leises und nervöses Pochen noch ist zu vernehmen. Und auch dies wird noch zur Gänze verschwinden, dessen bin ich sicher. 

Ein Gedanke zu “Ich glaube, ich habe meinen Glauben beerdigt ”

Hinterlasse einen Kommentar