Ihr sagt so Vieles und durchaus auch Verschiedenes. Ihr gebt Ratschläge und versucht zu trösten. Ihr nehmt in den Arm und klopft auf den Rücken. Ihr drückt die Daumen und wünscht Glück. Ihr analysiert und versucht zu therapieren.
Aber letztendlich reflektiert ihr nur euer Leben oder das Leben anderer in das meine hinein. Und überseht dabei, wie könnte es auch anders sein, das mein Leben sich von den euren beträchtlich unterscheidet. Es gibt nur einen Konsens: wir alle werden geboren und sterben irgendwann. Das haben wir gemein. Alles was dazwischen liegt, ist mit nichts und niemandem vergleichbar und der Vorgabe dessen, was das Leben bereit hält untergeordnet.
Ihr wisst nicht, wie oder was ich fühle, kennt nicht meine Empfindungen mir selbst oder anderen gegenüber. Euer einziger Orientierungspunkt kann nur das sein, was ich erzähle oder auszudrücken versuche. All das, was ich tue und sage ist nichts weiter als die verzweifelte Tat eines mittlerweile des „Wir“ entmündigten Ichs, eines fast völlig entsozialisierten Wesens, das die Gemeinschaft meidet und sich doch so sehr danach sehnt.
Doch bin ich gefangen in diesem undurchdringlichen Dschungel, wate auf Pfaden, die meine Spuren verschlucken und die ich so orientierungslos immer wieder bewandere, von Zweifeln geplagt und unsichtbaren Geistern gejagt. Sicher will ein Teil von mir diesen Dickicht, der mir so vertraut geworden ist, nicht mehr verlassen, während der andere flehentlich um Rettung bemüht, unablässig stumm nach Hilfe schreiend das Buschwerk zu durchbrechen versucht.
So tappe ich blind vom Magnesium und taub vom Knall der Blendgranaten, unentwegt in gefährliche Fallen, verfange mich in Netzen und versinke im Morast, immer zu fort und weiter, bis meine Knöchel mich nicht mehr stützen, meine Hände mich nicht mehr befreien und meine Beine sich nicht mehr bewegen können.
Irgendjemand wird mich vielleicht finden, den Rest, das Überbleibsel, die Reminiszenz all dessen, was ich einst war und was vor allen Dingen ich eben nicht war und doch sein wollte. Bis zuletzt. Und so wird es sein, tapfer und doch geschlagen, sich der Niederlage immer bewusst, aber niemals unterworfen, das bin ich und das werde ich gewesen sein. Bis ihr den Reißverschluss meines dunklen Leichensacks nach oben zieht und ich endlich schlafen darf. Für unendlich lange Zeit, losgelöst von aller Schmach und der unerbittlichen Sehnsucht nach etwas, das zu erlangen mir verweigert wurde.
Bemüht euch nicht weiter, haltet und harret nicht länger aus, entsendet keine Rettungsmannschaften, nach mir Ausschau zu halten. Ihr werdet nichts finden. Nur dahingeschiedenes, vom Wurm durchdrungenes, totes Fleisch, hingegen keine wiedergeborene Seele.
FUGAZI.