Oh welch Wagnis ich mir einst aufgebürdet, geboren in der Hoffnung,
ermuntert von der Schönheit, der Anmut und der Klugheit,
so wollt‘ ich wissen, wo ich steh‘ und nun weiss ich’s.
Mit Feuereifer und Getöse, laut gedrungen und vernehmlich,
mich stürzte in ein Abenteuer,
das letztlich keines war,
nur eine Eskapade.
Und all das in die Ferne rückte,
was ich einst gewesen,
mich nach und nach veränderte,
zu einem schlimmen Wesen.
All das Hadern und das Zaudern,
ein Tor, der zuträglich war
dieser Haut wie Pergament, so bleich und zart.
Wie konnte ich nicht selbst erkennen,
was einvernehmlich jeder wusste,
doch nicht auszusprechen wagte.
Doch Wahrheit in der reinen Form,
spricht nur das Leben mit der Zeit,
Verbrüderung mit Einsamkeit,
scheint alles was mir bleibt.
Aus dem Buch der Unzulänglichkeiten, Kapitel 4 „Das traurige Lied der Versager und Verdammten“
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Sagt Roula Clara Herzig, möget Ihr ein Geheimnis mit mir teilen wollen?
Ich bin derer interessanter Geschichten niemals abgetan, doch haltet Euch der puren Gerüchte und des Tratsches fern!
Ihr könnt Euch sicher sein, dass ich kein Mann der schändlichen Preisgebungen bin, nichts läge mir ferner! Alldieweil es im Inhalt der Sache nur um mich selbst und Eure holde und famose Erscheinung geht.
Wie spannend Ihr es einzurichten versucht und wie leicht durchschaubar Ihr doch so desgleichen seid!
Dann wisset Ihr bereits, welch Schwere mich belagert und kennt den dunklen Schleier meines Gemütes?
Nun, ja, ich denke schon. Aber lasset Euch gesagt sein, dass Kummer dieser Art immer wieder einmal aufzutauchen vermag. Wir sind dessen nicht gefeit und fallen dann und wann diesem schönen und zugleich grausamen Gefühl anheim. Es gibt Gedanken zwischen dem schönen Himmel und der dunklen Erde, deren Gut lieber unausgesprochen bleibe!
Aber Roula Clara Herzig, genauso viele Gesuche berechtigen ihrer Enthüllung!
Ich höre Euch ja, nur verstehen kann ich Euch nicht, falls IHR versteht, was ICH meine!
Roula! Oh, Roula!
Ja?
Oh oh, Roula Clara Herzig!
Ja?
Mein Herz schwingt empor, wie der sanfte Flügelschlag den Schmetterling in ungeahnte Höhen treibt!
Ich kann Euch den Zugang zu meinem Herzen nicht gewähren, kennet Ihr mich doch gar nicht recht und seid ebenso gebunden, wie ich selbst es bin. Euer Ansinnen stürzt uns beide in einen unzumutbaren Zustand der Verwirrung, was schlecht für’s Gemüt, die Seel‘ und unseren Stand‘! Desgleichen ich auch nicht aufrechten Blickes der Konvention des Begriffes „Liebe“ Folge leisten mag, so mir seine Bedeutung bislang nicht zur Gänze klar geworden zu sein scheint!
So begehre ich Euch trotz der Widrigkeiten, die Ihr mir auferlegt!
Ach Mann, noch seid Ihr verwirrt und versehrt, aber schon bald werdet Ihr klaren Blickes erkennen, dass Euch die Besinnung zu Gute geraten wird.
Oh Roula, warum könnt Ihr Euren Verstand nicht der Wahrhaftigkeit folgen, Eurer Seele die Treue schwören und Euer Herz wagemutig sein lassen!
Das Gestirn der Zeit prischt voran, vorbei am Gesicht der Jugend, immer weiter Richtung Horizont, dort wo die Vergänglichkeit zuhause ist! Ihr seht, es eilt mir ein wenig…
Uns vereint also nicht das zartrotsamtene Band der Liebe, wir sind nicht legiert wie zwei edelne Metalle, in Form gefasst und in ew’ger Treu getragen?
Nein!
Wie roh und verderbt doch der Schrecken im Gewand der Sehnsucht daherkommt! Oh, ich Unglücklicher! So lebe Wohl Welt, lebe Wohl Roula Clara Herzig!
So wie der Kiel die Federschaft des Vogels zusammenhält, mögen deine Sinne dich wieder standfest machen und auf den rechten Weg der Zuversicht führen! Aber nicht zu weit rechts!