Als der Wahnsinn endete

Ich habe eine Vision. Natürlich könnte es sich dabei nur um eine weitere Utopie in meinem kleinen, bescheidenen Kosmos handeln, ich halte allerdings (neben vielen anderen Dingen) daran fest. In meiner Vorstellung werde ich also eines Tages die Gesamtheit meiner Texte in einem Manuskript zusammenfassen.

Von dieser Vorlage werde ich in einer Druckerei genau ein Exemplar setzen, binden und mit einem schönen, schlichten Hardcover mit eingeprägten Lettern versehen lassen. Es wird eine großformatige Ausgabe sein, die nur für mich selbst bestimmt sein wird. Obwohl es wahrscheinlich auch ein schönes Weihnachtsgeschenk wäre.

Ich werde dies aus gänzlich unprätentiösen Beweggründen tun. Es wird die Dokumentation und der Beweis der schwersten Phase meines Lebens sein und ich werde damit nach Hause gehen und es zwischen meine beiden anderen Bücher stellen.

Und jedes Mal, wenn ich daran vorbeigehe, werde ich wissen, dass ich a: stolzer Besitzer von mittlerweile 3 Büchern bin („Pipi in den Augen statt Flecken in den Laken“ + „Würfelzucker und Kubismus – ein Missverständnis“ befinden sich bereits in meinem Besitz) und b: dass ich es da rausgeschafft habe, aus diesem Buch. Denn dann werde ich nicht länger ein Protagonist meiner dort manifestierten Ängste, Sehnsüchte und Selbstzerstörung sein. Dennoch wird dieses Buch immer ein Teil von mir bleiben, als Zeugnis eines kreativen, wenn auch vielleicht kleingeistigen Schaffensprozesses während meiner persönlichen Entwicklung nach der Zäsur vom Auslöser bis zum Ausklang, wie auch immer dieses Ende aussehen mag.

Vielleicht werde ich es auch als eine Art großspuriges Vermächtnis hinterlassen, falls ich endlich den Pfad beschritten haben sollte, der mir tagtäglich als einziger Ausweg zu bleiben und doch so unerreichbar weit weg zu sein scheint. Dann stellt es sich vielleicht jemand anderer ins Regal. Zwischen Heidegger und Wittgenstein.

Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, werde ich ihn erkennen und diesen meinen Traum schließlich wahr werden lassen.

Ja klar.

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