Vergangenwart

Sie klopft, sie pocht, sie schlägt
gegen die verdammte Tür,
jeder ihrer Schritte im Treppenhaus
macht das Geräusch von knisterndem Feuerholz

Ich bettel, flehe leise vor mich hin
und sage, dass ich nicht zuhause bin,
doch den Fuß in der Tür,
den Kopf schon im Spalt,
drängt sie sich vor, mit aller Gewalt

Funken sprühen auf den Teppich
und erhellen mein Gesicht,
bevor das ganze Konstrukt
wieder mal zusammenbricht

Die Wände aus Pergament brennen lichterloh,
stirnenfeucht und wangenrot,
warte ich auf meinen Tod

Ich habe dich geschaffen,
um eine Distanz zu mir aufzubauen,
weil ich mir selbst nicht mehr traue,
wenn ich in den Spiegel schaue

Nur so noch halte ich den Wahnsinn fern,
nur so noch sperre ich die Wahrheit aus,
der letzte Schutz vor dem Kollaps,
vor der Klarheit und dem Nichts

Die Risse der Vergangenheit
verschlingen jede Menschlichkeit
Sie fressen den Verstand und Leib
und schließlich und am Ende bleibt
vom Selbstgefühl das letzte Stück
nur noch ganz allein zurück

Nichts ist näher und so weit,
wie Gegenwart und Vergangenheit
Zeit löst sich von strikter Trennung,
sie ist beides in Vollendung,
stetig, endlos, wiederkehrend
nur noch einen Gott verehrend
ihre Wirkung ist verheerend

Vergangenwart für immer während.