Der Tod ist groß und wirft lange Schatten auf die bemoosten Gräber. Der Wächter der Vergangenheit bestimmt das Leben der zurück gebliebenen, verwaisten Menschengehirne. HeuchelEi ist das einzige Ei, dass zu Ostern vergraben, gesucht und gefunden wird. Dabei ist Liebe die korrekte Antwort auf alles. Jeder kann sie empfinden und empfangen, sie ist übertragbar, ergreifend, bestimmend und unbestechlich. Liebe bringt das Beste und Schlechteste in uns hervor, sie lässt uns erzittern und erschaudern, aufsteigen und kollabieren und manchmal auch – sterben.
Als Kind oder vielmehr Jugendlicher wurde ich von einigen Mitschülern eine Zeit lang verhöhnt, gemobbt und auch gemieden. Es waren auch Einige darunter, die ich zu meinen Freunden zählte. Ich meine wirkliche Freunde, solche die zusammen rumhängen und sich auch außerhalb des Schulbetriebes getroffen haben. Was hatte sich also geändert? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr, aber zu dieser Zeit war ich ich auf jeden Fall noch dünner, als ich es jetzt (auch) noch bin. Darunter habe ich schon immer sehr gelitten, denn es hatte eigentlich niemals einen positiven Effekt, eher im Gegenteil. Das prägt den Verstand und schafft vielleicht auch den Nährboden für all das, was jetzt gerade mit mir passiert.
Ich hatte dieses so einschneidende Erlebnis meiner Jugend wohl verdrängt, weil ich später mental stärker und selbstbewusster wurde. Allerdings frage ich mich heute, wie zur Hölle das bloß geschehen konnte. In einigen Belangen verfüge ich über eine geradezu derb ausgeprägte Willenskraft. Sie hilft mir dabei, an meinen Überzeugungen und Handlungen, deren Folgen mir jeden Tag schier unglaublichen Seelenschmerz bereiten, festzuhalten. Auch wenn das bedeutet, niemals wieder auch nur den Hauch eines schönen Gefühls in meinem Kopf und Herzen oder im Dickicht meiner Seele beherbergen zu können. Dann ist es halt so.
Damit das also mal klar ist, ich kann nicht mehr zurück ins Leben, denn eigentlich bin ich bereits tot. Natürlich nicht real physisch (ach was!) aber so fühlt es sich irgendwie an oder ich stelle es mir so vor. Ich warte nur noch auf den kompletten Zerfall meines Bewusstseins, der mich auf den Weg bringt und die Lichtung erreichen lässt, dort wo die bemoosten Gräber stehen. Wenn ihr nur sehen, hören, riechen oder schmecken könntet, was in mir vorgeht, was mich zersetzt und willfährig um Gnade und Erlösung winseln lässt. Dann würdet ihr sagen: ja, du hast recht, es wird Zeit zu gehen, Zeit sich dieses Lebens zu entledigen, welches sich scheinbar schlimmer ausnimmt, als es der Tod jemals sein könnte. Eigentlich sollte es umgekehrt sein. Der selbstbestimmte Tod sollte niemals zur Wahl stehen oder auch nur als weit entfernte aber mögliche Option dienlich sein dürfen.
Aber ich sitze hier in den Ruinen und schreibe genau diese Worte nieder. Worte, die durch die Schwaden des langsam ausgehenden Feuers hindurch in den rötlich schimmernden Himmel emporsteigen, wie flirrende Rauchzeichen einer alles umfassenden Hoffnungs- und Hilflosigkeit, um sich dann, noch bevor sie euch erreichen können, in Wohlgefallen aufzulösen.