Müller: König, wir haben jetzt die Freigabe für die Serienpilotfolge von der Chefetage bekommen. Sie haben eine Woche Zeit, einen veritablen Trailer für die hohen Herren zu produzieren.
König: Wirklich? Das ist ja fantastisch!
Müller: Es gibt nur einen kleinen Haken.
König: Und der wäre bitteschön?
Müller: Das Budget wurde um 98% gekürzt!
König: Wie bitte? Das ist nicht Ihr Ernst?!
Müller: Doch König, doch. Tut mir leid, Sie müssen mit dem restlichen Geld also ein verdammtes Wunder bewirken!
König: Aber wie soll ich denn-
Müller: Lassen Sie sich etwas einfallen oder wir sehen uns alle nächste Woche auf dem Arbeitsamt wieder! Ich habe denen da oben zugesichert, dass wir das schaffen! Eine Woche, König. EINE WOCHE! Ich verlasse mich auf Sie!
König: Ohgottohgottohgott! Na schön…
Am nächsten Tag beruft König ein Sondermeeting mit dem gesamten Produktionsstab ein.
König: Also Leute, uns steht nur ein schmales Budget zur Verfügung, mit dem wir ein visuelles Wunder erschaffen müssen! Irgendwelche Vorschläge? Ja, Schmidt?
Schmidt: Wir könnten aus den beiden Hauptfiguren EINE machen!
König: Aber in der Serie geht es doch gerade um ZWEI rüstige Rentner, die sich zusammenraufen müssen, um zur Hochzeit ihrer beiden Kinder nach Paris zu reisen.
Fischer: Genau, und ihre Abenteuer auf dem Weg schweißen sie so richtig zusammen und-
König: Fischer, wir kennen die Geschichte!
Fischer: Natürlich. Entschuldigung!
Weber: Wie wärs, wir lassen eine der beiden Figuren von einem Kind spielen, deren Gagen sind doch wesentlich niedriger.
König: Von welchem Alter sprechen wir hier?
Weber: Ich weiß nicht…vielleicht so um die 4 Jahre?
König: Scheint mir etwas riskant. Der Zuschauer an sich ist selbstverständlich dumm, aber dennoch könnte er nicht überzeugt sein, es hier mit einem 68 Jahre alten Erwachsenen zu tun zu haben.
Weber: Mit dem richtigen Makeup und Stelzen-
König: Neinnein. Was sonst noch?
Weber: Zwerge?
König: Zwerge? Was soll mit denen sein?
Weber: Ja, Zwerge. Sie sind auch billig und es gibt ältere Exemplare.
König: Exemplare? Verdammt Weber, ich weiß nicht mal, ob der Begriff „Zwerg“ der richtige Terminus für Minderwüchsige ist! Was geht nur in ihrem Kopf vor?
Schneider: Wir könnten doch das Reiseziel einfach verlagern. Der Schwager des Onkels meiner Frau hat einen Bekannten, dessen Sohnes Freund ist Kreissparkassenleiter in Ürzig an der Mosel, dort soll es auch recht schön sein, sagt er. Also der Schwager hat gesagt, dass der Freund das gesagt haben soll…äh…glaube ich…
König: Haben die da einen Eiffelturm?
Schneider: Naja, nicht direkt. Aber es gibt da diesen riesigen Gewürzgarten, der soll recht berühmt sein.
König: Aha.
Becker: Wenn ich vielleicht einen Vorschlag machen könnte…
König: Schießen Sie los!
Becker: Wir könnten doch hier in unserem Studio drehen!
König: Wie? Alles?
Becker: Ja. Wir projizieren einfach alle Hintergründe auf eine Leinwand, vor der die Schauspieler dann agieren.
König: Könnte klappen…
Becker: Und wir haben auch noch jede Menge Archivmaterial von unserer Reportage über die Zugfahrt von Čadca nach Zwardoń mit dieser…na mit dieser Bummelbahn-Dings…haben wir nie gesendet, interessiert kein Schwein.
Schneider: Aber die Aufnahmen waren doch in schwarz-weiß, wenn ich mich recht erinnere.
Becker: Das merkt doch keiner, wenn wir den Zug häufig durch Tunnel fahren lassen. Dann blenden wir einfach ab auf totale Schwärze.
König: Mhh…nicht schlecht. Wenn wir dem Zuschauer allerdings vermeintlich suggerieren, dass die beiden Rentner durch den Gotthard-Tunnel fahren würden, bräuchten wir gar keinen anderen Hintergrund, der ist schließlich lang genug…
Becker: Oder so!
Fischer: Und dann lernen Sie sich erst so richtig kennen und haben voll viel Spaß-
König: Fischer, verdammt!
Fischer: Sorry, die Geschichte bewegt mich halt…
Schneider: Ich gebe zu Bedenken, dass der St. Gotthard Tunnel in der Schweiz liegt.
König: Mist! Umleitung?
Becker: Von Hamburg über die Schweiz zurück nach Rheinland-Pfalz? Ich weiß nicht.
König: Dann sind die beiden halt Schweizer und fahren nach Deutschland.
Fischer: Ja Grüezi wohl!
König: Noch ein Wort Fischer…na gut, was ist mit dem Zug-Interior? Was haben wir da? Schäfer?
Schäfer: Im Keller haben wir noch zwei Klappstühle und einen Bistrotisch vom letzten Sommerfest.
König: Nicht übel. Was ist mit den Außenaufnahmen?
Koch: Meine Tante hat einen Schrebergarten mit Hollywoodschaukel. Aber die Jungs vom Landesfunkhaus, die diesen Action-Blockbuster fürs Kino drehen wollen, haben da auch schon Interesse angemeldet.
König: Rufen Sie Ihre Tante an, bevor man uns diese malerische Kulisse vor der Nase wegschnappt!
Koch: Gemacht! (Geht ab)
König: Wo liegen wir bis jetzt budgettechnisch? Krause?
Krause: Mal sehen…so 500 Euro?
König: Verflixt, immer noch zuviel! Egal, wie wir es drehen und wenden, wir müssen uns etwas anderes einfallen lassen. Koch! Kommando zurück, rufen Sie ihre Tante nicht an, lohnt nicht! Koch? Wo ist denn der Trottel?
Koch kommt zurück
Koch: So, erledigt!
König: Was?
Koch: Das Telefonat. Meine Tante freut sich schon. Sie will Kuchen backen für alle.
Fischer: Ich liebe Kuchen! Was denn für einen?
König schleudert das Drehbuch Richtung Fischer und beginnt zu wimmern
Koch: Hab ich was verpasst?
Krause: Zu teuer. Wir sind zu teuer.
Schneider: Handpuppen wären vielleicht noch günstiger als Kinderschauspieler. Oder bemalte Hände. So mit Gesichtern drauf. Mit Plaka-Farben. Meine Tochter kann sowas ganz gut.
König öffnet das Fenster und will springen, doch niemand beachtet ihn
Becker: Ich hab’s! Wir nehmen einfach den Pilotfilm für diese eingestampfte Serie aus dem letzten Jahr!
Schäfer: Welchen meinen Sie?
Becker: Den mit den beiden Zwillingsschwestern, die sich 20 Jahre nicht gesehen haben und jetzt zusammen eine Reise zu den Schwiegereltern ihres totgeglaubten Bruders machen müssen.
Schneider: Genial! Warum wurde der denn überhaupt verworfen?
Krause: Irgendwas war da mit dem Konzept nicht ganz in Ordnung. Ich glaube wir hatten uns da etwas verzettelt und eine Idee aus dem vorletzten Jahr aufgegriffen.
Schneider: Ja, ich erinnere mich, die Geschichte mit dem Hund und der Katze, die zusammen…
König springt. Da sich die Büros des Senders allerdings im 1. Stock befinden, bricht er sich lediglich beide Beine, einen Arm und einen Zacken aus der Krone.