Wir müssen über André sprechen (und über Eis)

Ich wäre dann soweit, glaube ich. Ich bin bereit, abgeholt zu werden. Von Irgendwas. Einer Krankheit, einem Unfall, einem Herzanfall, einem Suizid aus Überzeugung oder meinetwegen auch einer Naturgewalt.

Natürlich hatte ich schon früher Todeswünsche, aber mehr aus reiner, purer Verzweiflung über die Wahrheit, als ich sie noch nicht wahrhaben wollte. Ich trug den Wunsch nach Erlösung also wie einen bunten Strauß Blumen in mir, der je nach Gefühlslage und zunehmend gewonnenen Erkenntnissen die Farben seiner Blüten so lange gewechselt hat, bis das Blätterwerk komplett verwelkt war. Jetzt da ich Bescheid weiß, entspricht meine Todessehnsucht nur noch einer Gier nach Stille in meinem Kopf.

Und ich warte und warte und nichts stellt sich ein. Nichts passiert. Das einzige Spektakel scheint die gemütlich und gemächlich vor sich hin wabernde Luft des Sommers zu sein, die die Menschen in die heimischen Eiscafés und mir die Tränen in die Augen treibt. Ich kann sie von meinem Balkon aus hören, wie sie aus dem breit gefächerten Verwöhnangebot ihre Lieblingssorte für sich selbst und ihre Trabanten bestellen.

Pampelmuse, Limoncello, Zimt-Pflaume und Sahne-Grieß werden gern genommen, aber auch die Klassiker Granatapfel, Bacio, Bagigio! und nicht zu vergessen Rhabarber-Quark müssen nicht allzu lange in ihren kalten Verliesen darben. Ich achte derweil auf meine Linie, denn man will ja gut trainiert abtreten. Wer weiß, wen man so alles im Jenseits trifft.

Wann macht ihr nur endlich Schluss? Was fällt euch ein, mich so vor mich hin vegetieren zu lassen, mir jeden Mut zu nehmen, mich meiner Zuversicht und Hoffnung für immer zu berauben, mich das ganze Daseinselend seit zwei Jahren in Superzeitlupe erleben zu lassen und dann nicht zum Abschluss zu kommen? Lasst mich endlich vom Haken, denn ich will nur noch sterben, endlich tot sein und erlöst. Es ist Zeit. Ihr seid so überfällig wie ein WM-Gewinn der englischen Fußballnationalmannschaft oder ein guter Film von Matthias Schweighöfer.

Kommt mal aus der Hüfte. Ich weiß ihr habt mich vergessen, wie alle anderen auch. Denn es braucht einen besonderen Charakterzug, etwas Eigenständiges, eine herausragende Eigenschaft oder einfach nur gutes Aussehen um im Gedächtnis der Menschen zu bleiben. Hab‘ ich alles nich, weiß ich ja. Aber bitte erinnert euch an mich und daran, dass ihr etwas begonnen habt vor zwei Jahren, das nun auch zu Ende gebracht werden sollte. Ich bin so bereit, wie ich nur sein kann, denn ich habe die Suche nach dem Warum abgeschlossen. Jetzt will ich nur noch frei sein. Ich will schlafen, nicht mehr träumen, ich will ruhen, nicht mehr denken. Bitte.

Ich spendier auch ne Runde Salted Vegan Toffee Crunch mit Sahne im Becher.

Euer André