Guten Abend liebe Zuschauer, mein Name ist leider Klaus-Maria Heinzelmann und Heute -ja heute Abend – habe ich das große Vergnügen, einem der größten Künstler unserer Zeit nicht nur zu begegnen, sondern ihm auch einige Fragen stellen zu dürfen.
Ich begrüße hier bei mir im Studio den einzigartigen, unvergleichlichen, so genialen wie auch rätselhaften Maler, Bonvivant, Homme à Femmes und Bel ami der zeitgenössischen Kunstszene: Popo Shrczábloniakploianickykloswik. Herzlich Willkommen Herr Shrczábloniakploianickykloswik!
PS: Hallo Herr Heinzel.
KMH: Heinzel-mann…
PS: Ein wenig künstlerische Freiheit nur.
KMH: Herr Shrczábloniakploianickykloswik, Sie gelten als Begründer der sogenannten „Papier-Schere-Stein-Schule“, die besagt, dass Reduktion auch immer einer Deduktion unterliegt, es sei denn sie tut es nicht. Das ist eine sehr interessante Theorie, im Zuge derer Sie bereits einige bedeutende Werke geschaffen haben. Ich denke da nur an Bilder wie: „Schichtwechsel im Krankenhaus“ oder „Dorfschönheit im karierten Schlafsack“. Damit wurden sie praktisch über Nacht zum Liebling der internationalen Kunstszene. Man könnte sagen, Sie bilden die Speerspitze einer Stilrichtung, die irgendwo zwischen abstraktem Expressionismus und dem Neoexpressionismus ihren Platz eingenommen hat. Und nun also Ihr neuestes Werk „Der Traum des Pessimisten“, dass von begnadeter Fähigkeit für die Betrachtung sozialökologischer und zeitgeistlicher Normen Zeugnis ablegt. Es hängt im Rahmen einer Wanderausstellung seit letzter Woche sogar in der ehrwürdigen Eremitage in Sankt Petersburg.
PS: Lieber Herr Hansmann-
KMH: Heinzelmann…
PS: Natürlich. Ich bin mir meiner Stellung und der damit verbundenen Verantwortung durchaus bewusst, auch und gerade weil dies gar nicht Ihre Frage war. Wie war nochmal Ihre Frage?
KMH: Ich hatte noch gar nichts gefragt.
PS: Schauen Sie, es ist doch so: die Elite der Gegenwartskunstszene bildet sich nur aus einer sehr kleinen, überschaubaren Schar von Schöpfern, Denkern und Philosophen. Man kennt und schätzt sich natürlich untereinander. Das Herausstellen eines solchen Glanzstücks meiner Karriere, dazu noch in einer der angesehensten Galerien der Welt war nur konsequent und folgerichtig, denn ich möchte alle Menschen an meiner beispiellosen Kunst teilhaben lassen.
KMH: Herr Shrczábloniakploianickykloswik, wie kam es zum Thema des Bildes „Der Traum des Pessimisten“ oder vielmehr – wie hat dieses Meisterwerk nach und nach Gestalt angenommen?
PS: Nun, Herr Hartmann, der Schaffensprozess einer solchen Naturgewalt von Kunstwerk unterliegt natürlich dem Fortgang seiner Entwicklung, auch im Hinblick einer kontinuierlichen Entfaltung im Sinne einer zusammenhängenden Reihenfolge von Abläufen und nimmt irgendwann so gewaltige Dimensionen an, dass ich hinterher immer sehr erschöpft bin und verständlicherweise erst einmal mindestens zwei Jahre Urlaub brauche.
KMH: Heinzelmann…
PS: Bitte?
KMH: Mein Name…
PS: Ihr Name?
KMH: Ja. Mein Nachname ist Heinzelmann.
PS: Selbstverständlich. Was habe ich denn gesagt?
KMH: Ich glaube Hartmann.
PS: Wirklich? Merkwürdig. Ist aber auch nicht ganz leicht zu merken.
KMH: Wie Sie meinen, Herr Shrczábloniakploianickykloswik. Wie lange haben Sie denn bis zur Fertigstellung und Vollendung dieses Gütebeispiels handwerklicher Schaffenskraft gebraucht?
PS: Ich glaube insgesamt müssen es wohl so um die 6 Jahre gewesen sein, mit kleinen aber unbedingt notwendigen Kreativpausen, sonst wäre ich an meiner eigenen Genialität wahrscheinlich irgendwann erstickt.
KMH: Kommen wir doch mal auf die Farben Ihres Werkes zu sprechen. Die Komposition der Farbkontraste erzeugt in ihrer Abstraktion beim Betrachter ein fast wohliges Erschaudern. Es ist gerade diese fehlende Konformität, die unsere Sehgewohnheiten auf den Kopf stellt und im krassen Gegensatz zu den nahezu klaren Linien, also der Figürlichkeit des Bildes selbst steht.
PS: Vollkommen richtig, Herr Hutschenreuther. Ich wollte diesen Gegensatz natürlich unbedingt hervorheben und habe das dann auch so gemacht. Zum einen durch die Farben…aber vor allem durch die Komposition…und der…also dieser…na…
KMH: Farbkontraste?
PS: Sie sagen es, Herr Müller!
KMH: Heinzelmann.
PS: Herr Einzelmann.
KMH: H-E-I-N-Z-E-L-M-A-N-N!
PS: Was für ein ungewöhnlicher Name.
KMH: Wie wichtig war Ihnen denn die Auflösung der Komplexität innerhalb der Grenzen einer, sagen wir mal…vielschichtigen Strichführung? Das ist ja doch ein ganz schönes Wagnis, dass Sie da eingegangen sind.
PS: Die war schon sehr wichtig, natürlich habe ich manchmal verzweifelt mit mir gerungen, ob sie wirklich so wichtig sein sollte wie sie es jetzt eben ist, aber dann war ich irgendwann sicher, dass sie sehr wichtig sein sollte und nicht einfach nur wichtig!
KMH: Sie…ich…also…gibt es schon weitere konkrete Pläne, was Sie als nächstes machen wollen, um die Kunstwelt erneut zu revolutionieren?
PS: Oh ja, die gibt es. Es ist da schon einiges in Vorbereitung.
KMH: Und was dürfen wir da erwarten? In welche Richtung werden Sie sich diesmal bewegen?
PS: In Richtung Kunst!
KMH: Vielen Dank für das erschöpfende Gespräch, Herr Shrczábloniakploianickykloswik! Zu guter Letzt wollen wir unseren Zuschauern die Krone Ihrer Schöpfung natürlich nicht weiter vorenthalten, hier also nun der „Der Traum des Pessimisten“ von Popo Shrczábloniakploianickykloswik. Ich wünsche Ihnen allen eine geruhsame Nacht, ihr Klaus-Maria Hampelmann.
