Der Umläut

Ein altes nepalesisches Sprichwort lautet:

„Am Fuße des Berges Kangchendzönga wachsen zwar purpurne Mohnblumen, aber zuhause, dort also wo du deinen ranzigen Atem verteilst, wo du deinen Rausch ausschläfst und vom Boden isst, da wo du Liebe machst und auf die Toilette gehen musst, pfeift der Wind unablässig durch das morsche Gebälk deines maroden Dachstuhls.“

Heute ist der Tag des Vergessens, der Läuterung und des Aufbruchs. Heute wollen wir uns häuten, von der Last befreien und den Sinn einfach Unsinn sein lassen. Wir können alles machen, was wir wollen, jeder sein und alles fühlen, alles spüren und verdammt nochmal jeden Menschen für uns verführen.

Wir rühren nicht länger mit bloßen Händen in Töpfen, bis sie verglüht sind und bis zur Erschöpfung, wir führen nicht weiter Gespräche mit hängenden Köpfen, wir kürzen die Zöpfe und schröpfen unsere Möglichkeiten.

An diesem Tag gibt es nur Güte, wir führen sie uns zu Gemüte, wir küssen wie verrückt die Böden, wir trotzen den Böen und erklimmen die Höhen, unzerstörbar wie ein Bogen aus Carbon, unlösbar wie ein alter Knoten, beißen wir auf unsere Zähne, unterdrücken jede Träne, heute geht es nur vorwärts und es gibt kein Zurück.

Heute entfesseln wir unsere Kräfte, die nötig sind für diese andere Hälfte, ohne Häme, ohne Härte, machen wir uns auf die Fährte, folgen frischen Überresten, wir nehmen das was übrig bleibt, nur heute tut es uns nicht leid, Übelkeit wird unterdrückt, bis der Tag vorüber geht.

Später, wenn die Träume uns wieder zerstören, kann ich es bereits von weitem hören, wie wir rückblickend verklären: es war schön dazu zu gehören, ihr müsst euch auch erst dran gewöhnen, was machen wir mit unseren Plänen, was wird aus uns, was wird geschehen-

-werden wir uns wiedersehen?