Man sollte erst mal besser bei sich selbst anfangen mit der Liebe, Lust und Begierde. Und wenn das nicht klappt, weil man absolut nichts Gutes an sich finden kann – dann such das, was dir fehlt nicht in den Anderen, sondern scheiß drauf. Ich bin nicht aufregend genug für dich? Verstehe. Aber ich kann das nicht ändern. Also müsstest du deine Ansichten über mich ändern. Und das kannst du wiederum nicht.
Ich habe von dir geträumt, Evan Dando. Keine Ahnung warum. Ich habe in der letzten Zeit weder an dich gedacht, noch deine Musik gehört. Wird vielleicht mal wieder Zeit. In meinem Traum waren wir beide in einer Art Sanatorium, du hattest deinen letzten Tag des Aufenthalts und ich sah dich nur von weitem im Park, vor dem Haupthaus. Du trugst ein Gewand oder einen Bademantel und schlurftest über den knirschenden Kies in Richtung Eingangstür. Deine langen Haare fielen wie eh und je über deinen unordentlichen Kragen und du warst immer noch von schlaksiger Gestalt. Dein Blick allerdings war leer und wirkte irgendwie ausgelöscht, wahrscheinlich die logische Konsequenz deines Lebens voller Alkohol, Drogen und… ja, noch mehr Drogen.
Du warst schön, bist es immer noch, aber früher erschienst du mir irgendwie… keine Ahnung… makellos vielleicht, ein Gesicht wie aus Jade gemeißelt. Deine Stimme hingegen ist immer noch mit der gleichen dunklen, samtenen, unvergleichlichen Klangfarbe versehen, die dich immer so sehr ausgezeichnet hat. Es ist dein dir gegebenes Instrument, um andere Menschen darüber schwelgen zu lassen, dass sie zwar anders sind aber darauf verdammt stolz sein können. Dieser Stimme konnte selbst der härteste Mischkonsum aus zudröhnendem Discopuder, Hacke machendem Feuerwasser und mehrerer Wagenladungen voll Kippen wie durch ein Wunder niemals etwas anhaben. Glory! Glory!
Du bist damals aufgestiegen und dabei gleichzeitig, ohne es zu merken, stetig weiter versunken, im trüben Wasser des Ekels und der Erkenntnisse, über dem ein zunehmend undurchdringbarer Dunst dich einhüllte und umschloss, bis du dich selbst komplett zerschossen hast. Immer wieder und immer öfter. Das Schädeldrücken wurde immer schlimmer. Aber irgendwie hast du Dich freigeschwommen, irgendwann hast du dich dem Sog entzogen, zumindest ein wenig, aber als du wieder aufgetaucht bist und den Kopf wieder einigermaßen über Wasser halten konntest, hattest du dich verändert, weil zu langes Luftanhalten nunmal seinen Tribut fordert.
Du hast immer das gemacht, was du für richtig hieltest, du hast nur auf dich gehört, nicht auf die Stimmen anderer. Mag sein, dass das auf die Freiheit unabhängiger Künstler zurückzuführen ist, dennoch sind gewisse Anleihen eines solchen kompromisslosen Lebenswandels auch auf normale Menschen übertragbar. Wenigstens in Ansätzen sollten sie es sein. Du scherst dich einen Dreck um die Meinung und Ansichten der Menschen über dich selbst. Allerdings sind die Menschen auch auf dich zugekommen und haben deine Nähe gesucht und genau dieser Vorzug trifft natürlich nicht auf jeden von uns zu. Aber ich kenne solche Wesen, die irgendwie irgendetwas besitzen, an dem man Anteil haben möchte. Eine magische Gravitation, unsichtbar, aber deutlich spürbar. Wie ein unglaublich guter Geruch, dem man auf den Grund gehen und ihm bis zur Quelle seines Ursprungs folgen will. Faszinierend, leidenschaftlich und ein wenig mysteriös, die Dreifaltigkeit der Anziehungskraft.
Vielleicht habe ich deshalb von dir geträumt. Weil ich auf der Suche nach dieser Magie bin, in mir selbst aber auch in anderen Menschen. Aber es ist eine verlorene, zum Scheitern verurteilte Jagd, denn ich bin selbst der Gehetzte und laufe vor mir selbst davon. Also bleibt nur die Musik zum Wegdriften und dabei zu wissen, dass man anders ist. Allerdings ohne darauf stolz zu sein.