Die Klasse von 1981

Auf unserer Grundschulklasse von 1981 scheint ein Fluch zu liegen. Einer nach dem anderen wird tragisches Opfer eines unsichtbaren Strafgerichtes. Ich könnte schon bald der Nächste sein.

Da wären:

Sven Kamm, Goldkettenträger und Kettenraucher, mit 34 Jahren nach einer Verkettung von Zufällen bei einem Brand vollständig verkohlt, nachdem er sich an einer Zapfsäule beim Tanken seines Kettcars gedankenverloren eine Zigarette anzündete.

Peter Pahn, dünnhäutiger Asthmatiker, schon sehr früh mit 18 Jahren in der Oberstufe wegen seines Namens zu Tode gehänselt.

Gloria Hegedùsz, Tochter ungarischer Einwanderer, ewige Klassensprecherin und schon immer sehr machtgeil, wurde 1985 bei der Wahl zur Schulsprecherin übergangen und starb kurz darauf an Herzversagen.

Claudia Hering-Hansen, Angehörige einer Reederfamile, stand mit 45 Jahren als Patin bei einer Schiffstaufe unglücklicherweise der heransausenden Champagnerflasche (Duval-LeRoy) im Weg, fiel ins Hafenbecken, tauchte unter und nicht wieder auf.

Fritjof Pakuschat, Feinschmecker und wahrlich kein Kostverächter, erstickte mit 41 Jahren an einem Walfischknochen, der sich wundersamerweise in seine vegetarische Leberpastete verirrt hatte.

Daniel Sondermann, Eigenbrötler, später zwei Wochen lang während der Sommerferien Model für Damenunterwäsche, bis die Marketingabteilung ihren Irrtum erkannte und ihn rausschmiss. Musste mit 38 Jahren wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis (Einzelhaft) und wurde dort von den Wärtern vergessen. Verendete qualvoll und einsam beim jahrelangen Schlagen gegen die Zellentür.

– Petra Klotz, Dorfschönheit mit Faible für alles Französische, Besitzerin einer kleinen Modeboutique in Leck bei Niebüll, mit dem wahnsinnigen Namen „la petite boutique de mode de Petra Klotz à Leck“. Hatte später einen eigenen YouTube-Channel für Schminktips und Nagelpflege, stach sich aus Versehen mit der spitzen Seite eines Mascara-Pinsels ins rechte Auge und erblindete einseitig. Musste eine Augenklappe tragen und beging kurz darauf Suizid. Sie war gerade mal hübsche 46 Jahre alt.

– Christoph Maria Winter, Hang zum exzessiven, nicht ganz sauberen Glücksspiel. Mit 34 Jahren schummelte er mit gezinkten Karten und 5 Assen im Ärmel bei einem Pokerspiel gegen Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und flog erst auf und danach aus dem Fenster des 16. Stocks. Die genauen Umstände blieben ungeklärt.

– Monika Pappenstiel, notorische Lügnerin, behauptete jahrelang immer wieder von außerirdischen Zwergen verfolgt und belästigt zu werden. Nach dem zehnten falschen Alarm glaubte ihr allerdings niemand mehr und alle wandten sich von ihr ab. Wurde schließlich mit 29 Jahren wirklich von außerirdischen Zwergen des Planeten Zerk verschleppt und wahrscheinlich bei intergalaktischen Experimenten zerbröselt. Nimmt man jedenfalls an.

Dietmar Sporn, Streber, sehr ehrgeiziger Sportabzeichenträger und Klassenbester, konnte im Alter von 27 Jahren ein Kreuzworträtsel nicht vollständig lösen und verfiel dem Wahnsinn. Lebt aber noch. Irgendwie.

Felicitas Selena Miley Koch, sehr zerstreut und immer zu spät, verpasste im Jahre 2001 ihren Bus nach Hause und lief ca. 250 Kilometer tagelang im Kreis, da sie nicht mehr genau wusste in welcher Straße ihre Wohnung lag. Schließlich nahm sie sich ein Hotelzimmer und wurde am nächsten Tag tot in ihrem Bett aufgefunden. Wie sich später herausstellte, hatte sie vergessen wieder aufzuwachen.

Ronnie Feldmann, Störenfried und Schlägertyp mit Mutterkomplex, Großmaul und sehr jähzornig, erschlug 1999 in der Fußgängerzone von Winsen eine unschuldige Passantin mit einem Dampfbügeleisen, weil sie ihn eine ganze Sekunde lang angestarrt hatte. Er wurde noch während seiner Flucht in die Ecke gedrängt von der Polizei zu Tode gesteinigt.

Gesine Pilz, Chefredakteurin der Schülerzeitung und später Reporterin in Krisengebieten. Verfing sich im Jahr 2011 in Nordkorea, bei Feierlichkeiten anlässlich der Ernennung Kim Jong Un’s zum neuen Staatsoberhaupt, unglücklich mit einem Fuß in den Gleisketten eines vorbeifahrenden Panzers und wurde 2 Kilometer lang mitgeschleift. In dem Lärm der tosenden Menge gingen ihre Hilfeschreie leider völlig unter und sie starb aufgrund starker Verbrennungen an Gesicht und (nur noch) einem Bein.

Klaus Bart, vorlauter Klassenkasper mit ausgeprägtem Tourette-Syndrom, beleidigte im Jahre 2010 während eines Urlaubs auf Sizilien versehentlich und unwissentlich ein Mitglied der Cosa Nostra mit den Worten: „verfickter schwanzlutschender Itaker“ obwohl er lediglich ein Brot kaufen wollte. Sein Kopf wurde wenig später von seiner Frau Heike Bart im Bett neben sich liegend entdeckt, während der restliche Torso niemals gefunden werden konnte.

Das letzte Klassentreffen wurde zwar nicht abgesagt, aber außer mir waren lediglich Detlev Knoll und Silvia Schade als letzte Überlebende zugegen. Es gab selbstgemachten Kartoffelsalat mit Wiener Würstchen.