Lisa!* (*Name geändert)

Lisa! Lisa!

Wann immer er an sie dachte, endete aber auch jeder Gedanke mit einem verflixten Ausrufezeichen! Er hatte die Schnauze jetzt endgültig voll. Er wollte die Erinnerungen töten, sie in Flammen aufgehen lassen und anschließend sicherheitshalber noch einmal erschießen, man weiß ja nie, danach mit einer Axt erschlagen und wenn nötig, ja wenn, die böse Saat der Vergangenheit in der Mikrowelle auf höchster Stufe endgültig wie Popcorn zerbersten lassen. Oder – falls das alles nich klappen sollte – einfach nur mit ihr zusammen sein, für einen letzten Augenblick.

Aber ach-oh-ach, wie das nun mal so ist, zwischen dem was man gerne so hätte und was das Leben in Wirklichkeit für einen parat und in petto hält, liegt eine marianengrabengroße Kluft.

Lisa war zügellos, zwanglos und vielleicht auch mal selbstlos und auch sonst war viel los, wenn sie in der Nähe war. Ihr Hafen war Hamburg, mehr wusste er auch nicht, womit sie sich mittlerweile ihren Lebensunterhalt verdingte, war völlig unklar, im Trüben gefischt und nichts gefangen, war dann auch das Motto, das ihm das Leben aufgezwungen hatte.

Er hatte sie schon so lange nicht mehr gesehen, dass man meinen sollte, das Ding wäre durch und erledigt und tot. Aber weit gefehlt und lange gequält, die Geschichte schien noch lange nicht auserzählt! Großartig.

Lisa konnte Jeden und Jede haben, wie man so schön sagt, jederzeit, immer und wann sie wollte und wenn sie mal nicht wollte, dann eben nicht, aber wenn doch, war in den Herzen der Männer und Frauen immer ein Platz frei für sie. Darauf konnte man sich verlassen, so wie nachts alle Katzen grau waren oder wie das heißt. Ein Allroundtalent.

Nur ihn wollte sie nicht. Nicht kennen, nicht treffen, nicht spüren, nicht schmecken, kein nichts.

Er war blass, schmal und von trauriger Gestalt, sie war blass, schmal und von wunderschöner Gestalt. Waghalsig wie er war, hatte er sich in dem völlig abstrusen, lächerlichen wie vergeblichen Versuch sich ihr zu nähern, vollkommen verheddert, verkleinert und schließlich selbst zerschreddert. Hinterher is man immer schlauer!

Lisa’s Interesse galt anderen Menschen, so jenen, die sich ihre Beachtung verdienen konnten, sei es durch gute Manieren, herausragende Eigenschaften oder pure sexuelle attraction. So einer war er nicht im Geringsten, keine Chance, da friert eher die Hölle zu oder aus Wasser wird Wein oder aus Scheiße Gold. Schade auch. Der goldene Kelch jedenfalls wurde an ihm vorbei gereicht.

Der Andere hingegen war wohl so ein Typ gewesen. Er war ein besonders bösartig gutaussehendes Exemplar der sogenannten „Zartbitterschokoladen-Fraktion“, einer Sorte Mann, die auch die Frauen in Versuchung führen konnte, die vordergründig kein Interesse an einfachem Süßkram zu haben schienen. Ein Lollipop-Mann, ein Zuckerstangen-Kerl, ein Liebesapfel-Boy, sowas in der Art, völlig übertrieben natürlich, aber irgendwie doch auch wahr.

Er selbst war nur ein Männlein im Walde, ein Männchen, ein Däumling, ein Mann-Experiment, ein Irrtumsmensch, dem Dauerregen des Lebens ausgesetzt, kein Alphatier, kein Zuchthengst, kein Gorilla im Nebel. Soisdashaltdakannmannixmachen. Jajaja.

In einem Qualitätsvergleich von Mensch zu Mensch würde er gegen ein solches „Prachtexemplar“ immer verlieren und bei sämtlichen Umfragen in einem Radius von 10.000 Meilen (bis unter das Meer) oder 200 Lichtjahren (bis in die entferntesten Galaxien) haushoch, oder eher Shanghai-Tower-hoch das Nachsehen haben. Auf der Seite der Verlierer wäre er immer der Gewinner, so kann man es natürlich auch sehen.

Bis heute denkt er fast jeden Tag an Lisa, diesen Anderen und auch an Lisa und sich selbst. Seit 3 Jahren geht das nun schon so, was wohl wäre, hätte und würde, sollte und dürfte und könnte und müsste, ein ewiger Konjunktiv in Zeiten des Indikativs.

Ach Lisa!

Der helle Wahnsinn einfach das alles.